Digitale Souveränität durch einfache Technologie: Warum wir aufhören müssen, Software kompliziert zu machen

01. Februar 2026 Max Fietkau 128 Aufrufe
Digitale Souveränität durch einfache Technologie: Warum wir aufhören müssen, Software kompliziert zu machen
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Von Max Fietkau, CEO TeamHUB GmbH

Ich war 13 Jahre alt, als mir klar wurde, was ich mit meinem Leben machen wollte. Auf einem Segelboot auf dem Bodensee saß ich neben meinem Vater und seinem Freund, während der Unternehmer über seine Firma sprach – über Kunden, Projekte, Herausforderungen. Und während ich zuhörte, formte sich in meinem Kopf ein Bild: Eines Tages würde ich meine eigene Firma haben. Und ich würde sie mit einer Software führen, die ich selbst gebaut hatte. Eine Software, die alles konnte. Die alles verband. Die einfach funktionierte.

Damals war das ein Kindheitstraum. Heute ist es TeamHUB.

Der Weg dorthin war lang. Im Jahr 2007 installierte ich für einen Kunden sein fünftes Tool in drei Monaten. CRM hier, Projektmanagement dort, Zeiterfassung woanders – und nichts davon sprach miteinander. Der Kunde schaute mich an und fragte: "Warum gibt es das nicht alles in einem?" Ich hatte keine gute Antwort. Aber diese Frage brachte den 13-jährigen Jungen vom Bodensee zurück – und ließ mich nicht mehr los.

Heute, über 20 Jahre und unzählige IT-Projekte später, führe ich mit TeamHUB ein Unternehmen, das genau diese Vision Wirklichkeit werden lässt. Nicht mit noch mehr Schnittstellen, nicht mit noch komplexeren Integrationen – sondern mit einem fundamentalen Umdenken darüber, wie Software gebaut werden sollte.

Das Tool-Chaos hat System

Lassen Sie uns ehrlich sein: Die Art, wie die meisten Unternehmen heute arbeiten, ist absurd. Ein Tool für E-Mails, eines für Termine, eines für Projekte, eines für Kundenbeziehungen, eines für Dokumente, eines für Zeiterfassung. Kleinere Unternehmen nutzen durchschnittlich über 40 verschiedene Softwarelösungen, größere Organisationen kommen auf über 100. Die Folge: Daten liegen verstreut, Informationen gehen verloren, niemand hat den Überblick.

Und das Schlimmste: Es wird als normal akzeptiert. "So ist das eben", heißt es. Nein, so muss das nicht sein.

Als Fachinformatiker habe ich Jahrzehnte damit verbracht, Systeme zu integrieren, Schnittstellen zu bauen, Daten zu synchronisieren. Ich habe gesehen, wie viel Zeit, Geld und Nerven dabei verloren gehen. Nicht weil die Menschen unfähig sind, sondern weil die Technologie versagt. Software sollte Arbeit erleichtern, nicht verkomplizieren.

Technologie muss verschwinden

Die beste Technologie ist die, die man nicht bemerkt. Die einfach funktioniert. Die im Hintergrund arbeitet und Menschen ermöglicht, sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.

Stattdessen erleben wir das Gegenteil: Mitarbeiter verbringen ihre Tage damit, zwischen Tools zu wechseln, Daten zu kopieren, zu überlegen, wo welche Information liegt. Studien zeigen, dass wir durchschnittlich etwa 56 verschiedene Apps und Websites pro Tag nutzen – und dabei fast 300 Mal zwischen ihnen wechseln. Das ist kein produktives Arbeiten. Das ist digitaler Stress.

Meine Überzeugung: Wenn Software kompliziert ist, liegt das nicht am Nutzer. Es liegt an uns Entwicklern. Wir haben versagt, wenn Menschen Handbücher brauchen, Schulungen besuchen müssen oder frustriert aufgeben.

Datensouveränität ist keine Option

Ein weiteres Problem, das mich seit Jahren umtreibt: die Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Giganten. Microsoft, Google, Salesforce – sie alle haben großartige Produkte gebaut. Aber zu welchem Preis?

Jedes Unternehmen, das auf diese Plattformen setzt, gibt seine wertvollsten Daten aus der Hand. Kundendaten, Projektstatus, interne Kommunikation – alles liegt auf Servern, über die man keine Kontrolle hat. In Ländern mit Rechtssystemen, die deutsche und europäische Datenschutzstandards nicht kennen oder respektieren.

Das mag für manchen theoretisch klingen. Aber ich habe zu oft erlebt, wie Unternehmen durch plötzliche Preiserhöhungen, Funktionsänderungen oder Serviceverträge unter Druck gesetzt wurden. Wer seine gesamte IT auf einen Anbieter aufbaut, hat keine Verhandlungsposition mehr. Er ist abhängig.

Bei TeamHUB haben wir uns bewusst anders entschieden: Made in Germany, Server in Deutschland, DSGVO-konform in jedem Detail. Nicht aus Marketing-Gründen, sondern aus Überzeugung. Datensouveränität ist kein Feature – sie ist ein Grundrecht.

Künstliche Intelligenz, die dient

Der KI-Boom der letzten Jahre hat vieles verändert. Plötzlich sprechen alle von ChatGPT, von Automatisierung, von der Revolution der Arbeitswelt. Und ja, die Möglichkeiten sind beeindruckend.

Aber auch hier sehe ich ein Problem: Viele Unternehmen setzen KI ein, ohne zu fragen, wem sie dient. Werden Daten an externe Anbieter geschickt? Wer trainiert mit meinen Unternehmensinformationen seine Modelle? Was passiert mit sensiblen Kundendaten?

Für mich war von Anfang an klar: Wenn wir KI in TeamHUB integrieren, dann so, dass sie dem Nutzer gehört. Deshalb haben wir MyKI entwickelt – unseren KI-Assistenten, der lokal auf unserer Infrastruktur läuft. Ihre Daten bleiben Ihre Daten. Keine Cloud-Transfers zu OpenAI, Microsoft oder Google. Keine Trainingsdaten für fremde Modelle.

Und das Beste: MyKI versteht den Kontext Ihrer Arbeit. Weil CRM, Projekte, Dokumente, E-Mails – alles in einem System liegt, kann die KI wirklich helfen. Sie findet nicht nur Informationen, sie versteht Zusammenhänge. Sie schlägt nicht nur vor, sie verknüpft.

Das ist der Unterschied zwischen einem Tool und einer Plattform.

Einfachheit ist die höchste Komplexität

Leonardo da Vinci sagte: "Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung." In der Softwareentwicklung vergessen wir das zu oft. Wir bauen Funktionen über Funktionen, Einstellungen über Einstellungen – und am Ende versteht niemand mehr das Produkt.

Bei TeamHUB haben wir uns einem anderen Prinzip verschrieben: Einfachheit durch Integration. Statt dutzender Tools mit jeweils hunderten Funktionen bieten wir eine Plattform, in der acht Module nahtlos zusammenarbeiten. Das klingt simpel, ist aber unglaublich schwer zu entwickeln.

Denn echte Integration bedeutet nicht, verschiedene Tools zusammenzukleben. Sie bedeutet, von Grund auf neu zu denken: Wie arbeiten Menschen wirklich? Welche Informationen brauchen sie wann? Wie können wir Komplexität verbergen, ohne Funktionalität zu opfern?

Ein Beispiel: In TeamHUB erstellen Sie einen Kunden im CRM – automatisch ist dieser Kunde auch in der Projektverwaltung verfügbar, Zeiterfassung kann direkt zugeordnet werden, Dokumente werden zentral gespeichert, E-Mails landen im richtigen Kontext. Kein Export, kein Import, keine Schnittstellen. Es funktioniert einfach.

Das ist kein technisches Feature. Das ist eine Philosophie. Und es ist die Erfüllung jenes Traums vom Bodensee: Eine Software, die alles kann. Die alles verbindet. Die einfach funktioniert.

Der Mut zur deutschen Alternative

Ich weiß, wie es ist, gegen Giganten anzutreten. "Warum nicht einfach Microsoft 365 nehmen?", höre ich oft. Meine Antwort: Weil Bequemlichkeit nicht immer der richtige Weg ist.

Deutschland hat eine großartige Tradition in Ingenieurskunst, Präzision, Qualität. Aber in der Software haben wir diese Position verloren. Wir nutzen amerikanische Tools, denken in amerikanischen Kategorien, akzeptieren amerikanische Standards.

Dabei haben wir andere Anforderungen. Wir haben strengere Datenschutzgesetze – zu Recht. Wir haben andere Arbeitsstrukturen, andere Prozesse, andere Werte. Eine Software, die für den US-Markt entwickelt wurde, passt oft nicht zu dem, wie deutsche Mittelständler arbeiten wollen.

TeamHUB ist der Versuch, diese Lücke zu schließen. Eine Plattform, die deutsche Qualität mit internationaler Funktionalität verbindet. Die DSGVO nicht als lästige Pflicht, sondern als Qualitätsmerkmal versteht. Die Mittelständler nicht zwingt, sich an die Software anzupassen – sondern Software baut, die zu ihnen passt.

Ist das ambitioniert? Ja. Ist es riskant? Absolut. Aber wenn wir nicht den Mut haben, Alternativen zu schaffen, werden wir noch abhängiger. Und das können wir uns – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – nicht leisten.

Die Zukunft gehört den Mutigen

Technologie wird sich weiterentwickeln. KI wird leistungsfähiger, Automatisierung wird zunehmen, die Digitalisierung wird weitergehen. Aber die Frage bleibt: Wem dient diese Technologie?

Dient sie den großen Plattformen, die Daten sammeln und Abhängigkeiten schaffen? Oder dient sie den Menschen und Unternehmen, die sie nutzen?

Für mich ist die Antwort klar. Technologie muss Werkzeug sein, nicht Herrschaftsinstrument. Sie muss einfach sein, nicht kompliziert. Sie muss schützen, nicht entblößen. Und sie muss verbinden, nicht fragmentieren.

Das ist meine Vision für TeamHUB. Nicht das größte Tool zu bauen, sondern das beste für die, die es nutzen. Nicht die meisten Funktionen zu haben, sondern die nützlichsten. Nicht am lautesten zu sein, sondern am ehrlichsten.

Denn am Ende geht es nicht um Software. Es geht darum, Menschen zu ermöglichen, bessere Arbeit zu leisten. Ohne Frustration. Ohne Abhängigkeit. Ohne Kompromisse bei Datenschutz und Souveränität.

Das ist digitale Souveränität durch einfache Technologie. Und das ist es, wofür ich jeden Tag arbeite – seit jenem Tag auf dem Bodensee.


Quellen & Weiterlesen

  • RescueTime: The State of Work Life Balance, 2019
  • Productiv: State of SaaS Sprawl Report, 2024
  • Gartner: Magic Quadrant for Integration Platform as a Service, 2024
  • Lisa Bodell: Why Simple Wins – Escape the Complexity Trap and Get to Work That Matters, 2016.

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Max Fietkau
Max Fietkau

Max Fietkau ist CEO der TeamHUB GmbH und Inhaber von max-f it solutions. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der IT-Infrastruktur und Softwareentwicklung hat er eine klare Mission entwickelt: Technologie soll Menschen dienen, nicht überfordern.

Als ausgebildeter Fachinformatiker für Systemintegration hat er sich auf die Entwicklung robuster, skalierbarer Softwarelösungen spezialisiert – besonders im Bereich künstlicher Intelligenz und Unternehmens-IT-Architekturen. Doch für Max ist technische Exzellenz nur die halbe Miete. Was ihn antreibt, ist die Überzeugung, dass gute Software intuitiv, benutzerzentriert und einfach zugänglich sein muss – unabhängig vom technischen Vorwissen der Nutzer.

Als technischer Kopf hinter TeamHUB hat Max maßgeblich dazu beigetragen, eine Plattform zu schaffen, die nicht nur funktional ist, sondern Freude bei der Nutzung bereitet. Sein Ansatz: Komplexe Technologie so zu gestalten, dass sie im Hintergrund verschwindet und Menschen ermöglicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – ihre Arbeit, ihre Ideen, ihre Ziele.

Für Max ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Er versteht Infrastruktur als Rückgrat digitaler Transformation und setzt sich dafür ein, dass Technologie Werkzeug, nicht Hürde ist. Mit seinem Blog möchte er genau das vermitteln: Technik verstehen, ohne erschlagen zu werden. Denn nur wer Technologie versteht, kann sie souverän nutzen – und genau das ist sein Ziel für jeden TeamHUB-Nutzer.

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